Jahreswechsel
in Frankreich 2019/2020

Grit hat im Verlauf des Jahres 2019 auffälliges Verhalten bei Knallerei oder ähnlichen Geräuschen entwickelt. Schon früh war klar, dass es, so wie bei Merle, nicht nur um das Feuerwerkspektabel rund um den eigentlichen Jahreswechsel geht, sondern auch um die Tage vor und nach Silvester und dieses Jahr fingen die Knallköpfe bei uns in Bochum Langendreer schon am ersten Dezemberwochenende an zu knallen. Den eigentlichen Silvesterabend könnte man ja zuhause managen, in dem man die Fenster schließt und die Musik oder den Fernseher etwas lauter stellt und mit den Hunden ein bisschen Faxen macht, aber über fünf Wochen und während der Spaziergänge lässt sich das Thema nicht so einfach kaschieren.

Leider habe ich mich erst Anfang Oktober darum gekümmert, wo man ein knallfreies Silvester verbringen kann – viel zu spät, um noch eine passende Unterkunft zu bekommen. Andreas fand heraus, dass die Franzosen nicht viel Wert auf Feuerwerk und Böller legen und ihr Geld lieber für gutes Essen und Trinken ausgeben. Also packten wir am 27.12. (Freitag) unser WoMo, um nach Frankreich zu reisen. Eigentlich wären wir auch gerne schon am 27.12. losgefahren, doch an diesem Tag hatte sich eine Paketlieferung für Andreas angekündigt, die er persönlich entgegennehmen müsste. Leider verweilte das Paket über den 27.12. in Amsterdam und wurde – wie dem Pakettracking zu entnehmen war – am Abend nach Leipzig geflogen. Ein Anruf am Morgen des 28.12. ergab, dass mit der Ankunft des Pakets in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen war. Ohnehin hätten wir unsere Abfahrt auch nicht um einen weiteren Tag verschoben und so machten wir uns am frühen Vormittag auf dem Weg in den Nordosten Frankreichs.

Da wir am Abend des 29.12. eine Verabredung mit unseren englischen Bekannten in Arras hatten, suchte ich während der Fahrt Wohnmobilstellplätze nördlich von Arras am Meer und fand wählte das Örtchen Bray-Dunes aus. Hier gab es zwei Wohnmobilstellplätze und einen Campingplatz. Der erste Stellplatz war auf dem Parkplatz eines Supermarktes ca. 1,4 km vom Meer entfernt – das war nur eine Option für den Notfall… Der zweite Stellplatz war bis auf einen Behinderten-Stellplatz und einen mit schlammigem Splitt verstiften Platz belegt und so wählten wir den Campingplatz aus, um eine Nacht zu verbringen.

Wir schlugen unser Lager auf und gingen zum Strand. Hier war einiges los, aber es gab genug Platz, um Grit und Gina am Strand toben zu lassen.

Auch am nächsten Vormittag machten wir noch einmal einen langen Spaziergang entlang des Strandes und fuhren dann nach Arras. Hier fanden wir schnell den offiziellen Wohnmobilstellplatz – nicht schön, aber günstig zum touristisch nett angelegten Stadtzentrum gelegen. Zum Hotel der englischen Bekannten, die erst am frühen Abend ankommen würden, brauchten wir zu Fuß ca. 10 Minuten.

Da wir vorhatten, mit den Engländern zu Abend zu essen, gab es einen kleinen Imbiss und dann besichtigten wir das Stadtzentrum. Die eigentliche Sehenswürdigkeit sind zwei sehr hübsche Plätze. Auf dem ersten Platz an einer Kathedrale standen als Weihnachtsdekoration mehrere ca. 4 Meter hohe Blumen um ein zentrales Arrangement. Auf dem zweiten Platz war ein Weihnachtsmarkt mit Riesenrad, Schlittschuhbahn und einem als Weihnachtspyramide gestaltetes Karussell. Der Weihnachtsmarkt war umzäunt, durch Betonbarrieren, Polizei und Militär gesichert und hatte drei bewachte Zugänge. Der Zutritt mit Waffen und Hunden war untersagt. Es war so voll, dass ich eh nicht auf den Gedanken gekommen wäre, mit meinen Hunden da rein zu gehen.

Wir sahen uns das Spektakel soweit möglich von außen an und erkundeten die Möglichkeiten, mit den Engländern zu Abend zu essen. Die Restaurants, die fußläufig erreichbar waren, hatten entweder geschlossen oder waren doch recht teuer.

Wir gingen zurück zum WoMo. Per WhatsApp verabredeten wir mit den Engländern, dass jede Partei für sich ein schnelles Abendessen bereiten würde und wir uns dann beim Hotel treffen würde.

Im Dunklen besuchten wir mit den Engländern die beiden Plätze noch einmal. Die riesigen Blumen mit dem zentralen Arrangement und der Kathedrale im Hintergrund waren mittlerweile im wechselnden bunten Licht angestrahlt – es sah toll aus! Joseph – der ältere Sohn der Engländer zeigte sein akrobatisches Können und sprang von einem Poller aus dem Stand auf den nächsten – das sah auch toll aus.

Nun gingen wir zum Weihnachtsmarkt, der aber inzwischen geschlossen hatte. Einige Gäste hielten sich noch im Inneren auf, aber es wurden keine neuen Gäste eingelassen.

Wir beschlossen, mit Lis und Steve zu unserem Wohnmobil zu gehen, um da bei dem einen oder andren Gläschen Wein den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zusammen zu einem Denkmal zum 1. Weltkrieg. Abgesehen davon, dass der Zutritt zu den zentralen Stellen des riesigen Areals mit Hunden nicht gestattet war, fühle ich mich an solchen Orten immer unangenehm berührt, auch wenn ich weder für den 1. noch 2. Weltkrieg in irgendeiner Weise Verantwortung trage.

Nach dem sich die Engländer ein riesiges Monument und eine Art Museum angesehen hatten, war es an der Zeit, sich zu verabschieden – die Fähre der Vier würde gegen 15:00 Uhr in Calais ablegen.

Wir schlugen den Weg nach Westen ein und fanden einen WoMo-Stellplatz bei Le Touquet auf der Spitze einer Landzunge. Am späten Nachmittag machten wir einen schönen Strandspaziergang mit wilden Hundespielen und anschließend verbrachten wir einen ruhigen Abend.

Am nächsten Morgen weckten uns die Hunde gewohnt früh. Während Andreas das Frühstück machte, ging ich mit den Hunden im Nebel runter zum menschenleeren Strand, so dass die haarigen Mädels mal so richtig die Sau rauslassen konnten.

Am frühen Silvester-Vormittag machten wir uns wieder auf dem Weg: Zum einen wollten wir einige Lebensmittel, zum anderen wollten wir Diesel und LPG tanken. An Diesel zu kommen war nun gar kein Problem, aber die Suche nach LPG blieb ergebnislos. Unser WoMo verfügt über eine fest installierte, mit LPG betankbare Gasflasche und eine herkömmliche, austauschbare Gasflasche, die wir ungern anzapften. Da die Temperatur nun nachts deutlich unter Null Grad sank, mussten wir damit rechnen, dass wir auch die Campinggasflasche verwenden müssten.

Bei bestem Wetter fanden wir einen hübschen, großzügigen Wohnmobilstellplatz bei Quend. Hier standen wir mit sieben anderen Wohnmobilisten – wir vermuteten, dass das auch alle Silvester-Flüchtlinge waren, denn alle hatten Hunde. Bis zum Strand musste man ein Stückchen laufen. Das letzte Stück ging durch den verlassenen Touri-Ort. Die nun geschlossenen Bistros und Restaurants ließen erahnen, was hier im Sommer los sein müsste. Der Strand war genial: breit, unendlich lang und fast menschenleer. Je weiter wir uns vom Ort entfernten, desto selten trafen wir auf Menschen. Die Hunde hatten mehr als ausreichend Gelegenheit, sich auszutoben – ob mit ihrem roten Gummi-Knüppel oder indem sie Andreas beim Bumerang werfen ins Handwerk pfuschten.

Zurück am WoMo ließen wir das Jahr 2019 ausklingen, dass uns mit so vielen schlechten Ereignissen konfrontiert, aber auch Gina in unser Rudel geführt hat. Um 24:00 Uhr wurde in der Ferne ein bisschen geknallt, was Grit mit einem kurzen Anheben des Köpfchens quittierte, aber insgesamt blieb sie ruhig und gelassen.

Wir tranken jeder zwei Gläschen Sekt und krochen gegen 1:00 Uhr in unsere Kojen, um eine sehr ruhige Nacht zu verbringen.

Am Neujahrstag ließen uns die Hunde bis 9:30 Uhr schlafen. Nach dem für unsere Verhältnisse späten Frühstück machten wir diesmal bei diesigem Wetter einen sehr langen Spaziergang. Danach gab es für uns ein stark verspätetes Mittagessen und danach war es definitiv zu spät, den Standort zu wechseln. Wir verbrachten eine weitere Nacht auf dem hübschen Stellplatz, in der Andreas die Gaszufuhr auf unsere zweite Gasflasche umstellen musste.

Die Hälfte des nächsten Tages verbrachten wir damit, eine Tankstelle zu finden, bei der wir unsere betankbare Gasflasche mit LPG zu füllen konnten. Erst danach hatten wir die Ruhe, ein paar Lebensmittel zu kaufen und einen neuen Stellplatz bei Le Hourdel anzusteuern. Auf der Höhe unseres Stellplatzes war am Strand ein Betonbunker, der durch was auch immer aus seinem Fundament gerissen wurde und nun mit der Stirnseite im Meer lag. Der Strand war teils kiesig und nicht so großzügig, wie die bisher besuchten. Ich konnte etliche Menschen dabei beobachten, wie sie innehielten und auf das Meer starrten. Mein erster Verdacht war, dass es hier bei einem starken Unwetter ein Unglück gegeben hat, bei dem auch der Bunker umstürzte. Dann entdeckte Andreas aber einige Robben, die ihre Köpfe nahe dem Strand aus dem Wasser hielten … die Leute hielten Ausschau nach den Robben. Wir machten einen langen Spaziergang, erst den Strand entlang, dann durch die Dünen bis in den Mini-Ort und dann die Straße entlang zurück zum WoMo.

In der Nacht wurde es windig und regnerisch und das Wetter blieb bis zum Freitagmittag ungemütlich. Nach dem Frühstück hatten wir uns auf die Suche nach einem neuen Standort gemacht. Da wir am Sonntag wieder Zuhause sein mussten, wollten wir nicht weiter nach Süden oder Westen fahren. Wir erkundeten einige Städtchen in der Umgebung – besonders toll war die Fahrt durch die enge Hauptstraße in Saint Vallery sur Somme. Wir fanden aber keinen WoMo-Stellplatz, den wir einladend fanden, einen Nachmittag und die Nacht zu verbringen. Da der nette Stellplatz in Quend nicht weit weg war, fuhren wir wieder dort hin und aßen Mittag, während immer weniger Nieselregen auf das WoMo-Dach prasselte.

Gegen 14:50 Uhr brachen wir zum obligatorischen Strandspaziergang auf. Auf dem Weg trafen wir auf eine Französin mit einem schwarzen Cockerspaniel die sehr besorgt auf uns einredete … irgend etwas mit Füßen. Nach einer Weile wurde uns klar, dass sie, wie viele andere Menschen meinte, Gina hätte einen Verband am Bein. Als wir näher kamen, war sie sichtbar erleichtert zu sehen, dass sie nur einen weißen Kniestrumpf aus weißem Fell hatte.

Am Strand ging das Getobe der Hunde im Sand wieder los – nein, es gab auch ruhige Phasen während des Spaziergangs. Grit und Gina disqualifizierten sich für den Freilauf, als sie Unrat aufnahmen und sich mit den Überresten einer verendeten Möve beschäftigten und sich nicht abrufen ließen. Auf dem Rückweg kam uns auch noch eine große Gruppe Reiter entgegen. So mussten die Hunde weiter an der Leine bleiben, denn wir hatten Sorge, dass sie nun für Pferdeäpfel ein besonderes Interesse zeigen würden. Gegen 17:30 Uhr waren wir zurück am WoMo … gerade rechtzeitig, denn der Regen setzte wieder ein.

Wir verbrachten eine ruhige Nacht und Samstagvormittag gab es noch einmal einen langen Spziergang am von Flut und Ebbe gereinigten Strand. Es war Wochenende und das Wetter zwar windig, aber trocken, also waren auch recht viele Menschen am Strand: Leute mit ihren Kindern, Hunden, Schaufeln und Netzen, auf Surfbrettern auf Rollen, auf Go-Carts mit Segeln, auf Skatebords mit Drachen … . Trotzdem ist war der Strand so großzügig, dass Grit und Gina genug Platz zum Toben hatten. Wir nutzten die Ebbe, um uns die Muschelbänke aus der Nähe anzusehen: Zahlreiche in de ca. 1,80 m hohe Pflöcke, die in Reih und Glied im Sand steckten und an denen Netzte hingen, in denen die Muscheln wuchsen.

Nachmittags fuhren wir Richtung Westen nach Wissent. Der dortige Wohnmobilstellplatz ist zwar schmucklos, aber nur 10 Minuten zu Fuß vom Strand entfernt, so dass wir direkt nach unserer Ankunft zum Strand gingen. Gegen 16:30 Uhr war hier noch richtig was los, so dass die Hunde diemal an der Leine bleiben mussten. Auf dem Rückweg machten wir eine Runde durch den kleinen Ort, erstanden zwei Baguettes und läuteten im WoMo den Feierabend ein.

Sonntagmorgen (05.01.2020) machten wir uns nach einem letzten Strandspaziergang für die nächsten

Resümee

Für Halter von Hunden, die Angst vor der Silvester-Knallerei haben, ist Frankreich eine Alternative, wenn man sich von den größeren Ortschaften und Ferienanlagen fernhält. Nicht dass hier gar niicht geknallt wird, es wird deutlich weniger geknallt und nach der eigentlichen Silvesternacht haben wir gar keine Knallerei mehr gehört.

Ansonsten kann man im Winter mit den Hunden prima an den Stränden spazieren gehen, an denen das in der Badesaison verständlicherweise verboten ist.