Norwegen / Yddin
März 2014

Dieser Yddin-Urlaub war ein Urlaub der Extreme:

  • Bei den Urlaubsvorbereitungen und bei der Abfahrt aus Bochum Anfang März kündigte sich der Frühling an.
  • Auch auf unserer gesamten Fahrt und bei der Ankunft in Yddin, dem kleinen Hüttendorf ca. 850 m ü.d.M. und 216 km nord-nordwestlich von Oslo war es mit ca. + 6 °C sehr warm.
  • In der ersten Woche unseres Urlaubs war der Schnee extrem verharscht und die Loipen extrem eisig.
  • Den ganzen Urlaub über war es immer wieder windig – z.T. war der Wind extrem stark und kalt.
  • In der zweiten Woche schneite es immer wieder heftig, so dass wir uns einmal einen halben Tag lang nicht aus der Hütte trauten.

Prinzipiell taten die hohen Temperaturen am Tag unserer Ankunft den laut Internetseite Beitostoelen (= bekannter Skiort ca. 20 km von Yddin entfernt) 1,80 m Schnee keinen Abbruch, doch schmolz die obere Schneedecke über den Sonntag auf, um sich dann in der Nacht bei Minus-Temperaturen in eine harsche, eisige Oberfläche zu verwandeln.

Bei der Fahrt von der RV 51 den Berg hoch nach Yddin mussten wir einem Van ausweichen und landeten mit dem WoMo im Schneewall der Straße, aus dem wir alleine nicht mehr herauskamen. Zum Glück hatte der Fahrer des Vans das bemerkt und kam zurück, um uns herauszuschleppen. Auch hatte die „Krabbe“ keinen Schaden genommen.

Dieses Jahr bewohnen wir die Hütte Nr. 3 gleich gegenüber des Wohnhauses von Harald und Astrid. Von hier aus hatten wir die Norwegenflagge als Windanzeiger immer gut in Sicht. Andreas hatte den Beiden zwei gerahmte Fotos mitgebracht, über die sie sich offensichtlich sehr gefreut haben.

Da es ansonsten keine Gäste im Hüttendorf gab – eine Sausewind-Gruppe, die in der ersten Woche unseres Urlaubs auch hier sein sollte, viel mangels Teilnehmer aus – gab uns Harald „sein Internet“, so dass wir kommunikationstechnisch auf unserer Hütte sehr gut ausgestattet waren.

Die ersten 5 Ski-Tage haben wir uns – bis auf den Dienstag – überwiegend unterhalb der Baumgrenze aufgehalten, da es hier zum einen windgeschützter war, als auf dem Fjell und zum anderen bei leichten + Graden die Schneedecke etwas besser zu befahren war.

Dienstag haben wir eine Fjell-Tour unternommen und uns auf dem Abstieg in einem widerspenstigen dichten Wäldchen verirrt, in dem wir die Ski abschnallen mussten und ständig im tiefen Schnee eingebrochen sind. An einer Stelle bin ich mit dem rechten Bein hüfttief im Schnee versunken und habe dann recht lange gebraucht, um mich im dann knüppelharten Schnee aus dieser Lage zu befreien … Abenteuer Norwegen!

Freitags hat es dann recht viel Neuschnee gegeben, so dass wir jetzt hofften, schöne, lange Toren auf’s Fjell unternehmen zu können – insbesondere, da die Loipen frisch gespurt waren – ja, da war die Welt der Loipenmaschine noch in Ordnung.

Dementsprechend voll war es auch am Sonntag bei recht angenehmen Wetter auf der Loipe – so viele Leute haben wir hier selten gesehen.

Unser Rentner Janosch ging in diesem Urlaub lieber nur noch die Hütten-Runde – immerhin noch 3,5 km. Aber da er offensichtlich fast nichts mehr hört und nicht mehr gut sieht, hatten wir Sorge, dass er die Orientierung verliert und einfach irgendwo hin läuft. Außerdem war er doch mittlerweile sehr langsam auf seinen Rentner-Pfoten unterwegs.

Merle dagegen zeigte sich gewohnt fit und erstaunte uns mit ihrer Zuverlässigkeit – ja, mit über 7 Jahren wird selbst Mad Merle temporär vernünftig: Wenn uns denn mal jemand entgegen kommt, hielt sie sich brav rechts von uns und wollte dann aber auch ein Leckerchen!

Montags zeigte sich das Wetter von einer Super-Seite: Sonne und kaum ein Wölkchen am Himmel – dafür aber ein so starker, kalter Wind, dass uns die Lust auf eine Tour verging. Im Windschatten auf der Terrasse unserer Hütte konnte man dagegen prima sitzen, Tee schlürfen und Kekse essen.

Schon Samstag- oder Sonntagabend viel uns auf der GPS-Loipen-Maschinen-Karte im Internet auf, dass sich die Loipenmaschine irgendwo hinter dem Kjolafjell häuslich niedergelassen hatte. Da für Dienstag endlich mal wieder passables Wetter angesagt war und wir ja nun endlich die schönen, langen Touren im Fjell unternehmen wollten, sprachen wir Harald Montagmorgen auf das Loipengerät an – ich glaube, er hat nicht verstanden, was wir ihm mitteilen wollten.

Dienstag war dann tatsächlich endlich mal wieder schönes, brauchbares Wetter: Sonnig, kaum Wind und viel Schnee. Da das Loipengerät immer noch im Kjolafjell weilte, waren wir schon darauf vorbereitet, mit den Tourenski loszuziehen – lieber ohne Merle.

Während ich mit den Hunden ein Stück die Straße entlang ging, hatte Harald mit Andreas vereinbart, für uns mit dem Scooter eine Loipe rund ums Gravfjell ziehen, denn das Loipengerät war ja hin.

Wir hatten eine sehr schöne Tour, auf der wir erst einen einzelnen Norweger mit seinem wohl schon recht betagten Husky trafen und später ein norwegisches Ehepaar, das sehr gut Deutsch sprach und mit dem wir uns länger unterhielten. Auch die Beiden beklagten das komische Wetter und den über den ganzen Winter lang anhaltenden starken Wind.

Mittwochs hatte uns dann der Schneefall wieder fest im Griff: schon in den frühen Morgenstunden hatte es angefangen zu schneien und es sollte erst Mittags wieder aufhören. Tatsächlich brachte Harald gegen 13:00 Uhr die Wege im Hüttendorf wieder in Ordnung.

Wir nahmen ein leckeres Mittagessen ein (Rohrnudeln mit Vanille-Soße), gingen wieder mit den Hunden die Straße auf und ab und schnallten dann die Tourenski unter, um die Flußloipe zu laufen. Trotz des hohen Schnees ging das erstaunlich gut. Beim überqueren der Straße fuhr gerade Harald an uns vorbei. Und als wir so ziemlich am Scheitelpunkt der ca. 6,8 km langen Tour waren hörten wir Harald mit dem Scooter hinter uns – es ging wohl gegen seine Hüttenwirt-Ehre, dass seine (einzigen) Gäste keine gespurte Loipe haben! Abends hatte sich tatsächlich die Loipenspurmaschine wieder in Gang gesetzt.

Am nächsten Morgen herrschte ungewöhnlicher Trubel im Hüttendorf: Harald lief mit irgend welchen Leuten durchs Dorf, jemand hatte eine Kamera auf unsere Hütte gerichtet, eine andere Person trug einen Blumentopf und eine Obstschale durch die Gegend – ja was war denn hier los? Wie sich rausstellte, war ein kleiner Trupp Sausewindler zu Video-Aufnahmen für einen Werbefilm vor Ort. Ich dachte, so etwas passiert uns doch nur auf Skye (Schottland)!

Skilauftechnisch hatte dieser und leider auch unser letzter Skitag nicht viel zu bieten. Der Schnee wurde pappig und klebte an den Schuppen der Ski. Donnerstag war für uns vier noch die Hüttenrunde drin, wobei Andreas an der schon keinen richtigen Spaß hatte. Ich ging im Anschluss gleich mit Merle noch auf die Flußloipe und musste auf dieser Tour ein paarmal die Ski abschnallen, um Schneebretter abzukratzen.

Am Freitag ging dann leider nicht mehr so viel: Unsere Hüttenrunde brachen wir nach einem Kilometer ab. In der Hütte angekommen tauschten wir die Loipenski gegen die Tourenski, aber auch mit denen hatten wir relativ schnell das bremsende Gefühl von in der Steigzone klebenden Schnee … da hilft dann bei Schuppenski auch kein Wachsen mehr.

Selbst den Versuch, auf dem Rodelhang des Hüttendorfs ein bisschen Tiefschnee-Abfahrt zu üben, brach ich ab, weil der Schnee harsch und schwer war.

Es war so schade: So viel Schnee in einer so tollen Landschaft mit so vielen Möglichkeiten tolle Touren zu machen – aber irgend wie war dieses Jahr der Wurm drin:

  • erst eisige und harschige Schneeflächen
  • viel, sehr starker und kalter Wind, über den sich sogar die Norweger beklagten
  • viel starker Schneefall
  • dann auch noch ein tagelang ausgefallenes Loipenspurgerät, über das man ja eigentlich lachen könnte, wenn der Rest der Hemmnisse nicht gewesen wäre
  • ja und zum krönenden Abschluss auch noch der Pappschnee

Ich hoffe ja, dass wir bei unserem nächsten Urlaub hier mehr Glück mit den Schnee- und Wetterverhältnissen haben!